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Aché-Indios exportieren Mate-Tee nach U.S.A.

25. März 2009 [ Kein Kommentar ]

Weit davon entfernt öffentliche Parks oder Plätze zu besetzen und als ambulante Verkäufer oder Bettler durch die Städte zu streifen, stehen Aché Guayakí Indios vom Stamm der Kue Tuvy (Provinz Canindeyú) kurz davor, ihre erste Yerba Mate Ernte, die rein biologisch produziert wurde, in die Vereinigten Staaten von Amerika zu exportieren.

Der Konsum der Produkte aus der Yerba-Pflanze steigt beständig und die Verbraucher zahlen einen leichten Aufpreis, womit Hilfsprojekte unterstützt werden können.

Mit Hilfe und der Unterstützung einer, in den U.S.A. ansässigen Firma, schafften es die Aché ein Waldstück von 16 Hektar in eine Mate-Pflanzung zu verwandeln. Interessant und bemerkenswert an dieser Sache ist der Umstand, dass die Ureinwohner durch dieses Projekt nicht nur in der Lage waren in ihr natürliches Umfeld zurück zu kehren, sondern dass auf dem Wege einer produktiven Aktivität ihre Sozialstruktur wieder hergestellt werden konnte.


Ein Märchen, das Realität wurde

Das Experiment begann vor 12 Jahren und erinnert an ein Märchen: Es war einmal ein kleiner Argentinier mit Namen Alejandro Pryor, der mit seinen Eltern in Paraguay lebte. Der Junge machte den Eltern große Freude und brachte stets gute Schulnoten nach Hause. Als er zu einem jungen Mann herangewachsen war, entschieden die Eltern ihn auf eine Universität in die Vereinigten Staaten von Amerika zu schicken, da sie ihm nur die beste Ausbildung schenken wollten. Der junge Mann zog also in die weite Welt. Jedoch nicht, ohne seine Thermoskanne, Guampa (typischer Trinkbecher) und Bombilla (Trinkrohr) nebst einer ansehnlichen Menge an Yerba-Mate Vorrat.

Während seines Studiums trank er stets sein mitgebrachtes Getränk und zog dadurch die Aufmerksamkeit seiner Kommilitonen auf sich, die aus reiner Neugier ebenfalls mit dem Mate-Trinken begannen. Die Studenten fanden Gefallen an der erfrischenden Wirkung des Tees aus Lateinamerika und wollten immer mehr davon. Aber woher nehmen? In den U.S.A. gab es kein Geschäft, das Mate führte.

Die jungen Leute überlegten nicht lange. Mate-Tee musste aus dem fernen Lateinamerika herangeschafft werden. Und wie junge und intelligente Menschen sind, ließen sie sich nicht von „Wenns“ und „Abers“ abschrecken. Sie nahmen furchtlos den Kampf gegen die Bürokratie auf und gründeten ein Studienobjekt. Sie wollten allerdings nicht nur einfach ein fremdes Produkt einführen und vermarkten, sondern gleichzeitig etwas Gutes damit bewirken.

Also gründeten sie eine Firma, die heute ihre Produkte in ganz U.S.A. über Supermärkte, Bioläden und Shops, welche die Kriterien des „gerechten Handels“ erfüllen, vermarktet. Dies sieht in der Praxis so aus, dass der etwas erhöhte Verkaufspreis eines jeden Produktes eine gewisse Summe beinhaltet, die für die Entwicklung und Unterstützung sozialer Projekte eingesetzt wird.

„Nach 12-jähriger Arbeit können wir nun ein breit gefächertes Angebot von Mate-Produkten bieten, nebst einem ökonomisches Modell zur Erhaltung der Wälder unter Einsatz örtlicher Arbeitskräfte. Hier in Paraguay arbeiten wir grundsätzlich auf regionaler Ebene. Wir tun dies mit den Aché Guayakí, die erfolgreich 16 Hektar Wald kultivieren. In diesem Jahr wird die erste Ernte stattfinden. Dies ist eine großartige Sache, da die Indios auf diese Weise die Möglichkeit haben, nach so vielen Jahren wieder ihr ursprüngliches Territorium zu bewohnen. Die Leute waren sehr fleißig und sind stolz darauf, dass ihr Herstellungsprodukt in die U.S.A. verschickt wird“, erklärt Alejandro.

Die Firma Guayakí hat ihren Standort in Kalifornien. Derzeit arbeitet sie mit 250 Familien, verteilt auf Paraguay, Brasilien und Argentinien, die insgesamt 12tausend Hektar bewirtschaften.
„Das wichtigste ist allerdings der Beweis, dass eine Hilfe zur Selbsthilfe möglich ist. Wird das Individuum zum Mittelpunkt des Entwicklungsprozesses, entsteht ein Gemeinschaftsdenken und produktives Sozialverhalten. In Brasilien und Argentinien arbeiten wir ebenfalls mit kleinen Herstellungsgemeinschaften“.

Ein weiterer, sehr wichtiger Punkt des gelungenen Experimentes ist die, während vieler Jahre gesammelte Erkenntnis, dass sehr wohl eine Produktion stattfinden kann, ohne dass die natürliche Ressourcen angegriffen werden müssen.

„Da die Yerba Mate Pflanze im Schatten kultiviert werden kann, ist dies eine attraktive Alternative zur Abholzung der Wälder zum Zwecke landwirtschaftlicher Bewirtschaftung. Man kann sogar dadurch die Wiederherstellung der Wälder bewirken und die Pflanze praktisch überall kultivieren, um somit allen Ureinwohnern selbständige Arbeit zu verschaffen und darüber hinaus durch den Aufpreis des Endproduktes soziale Projekte wie Schulen und Krankenhäuser zu unterstützen“, erklärte Alejandro Pryor, der kürzlich Paraguay besuchte.

Die Endverarbeitung des Produktes wird in den U.S.A. durchgeführt, der Grundstoff stammt aus Paraguay, Argentinien und Brasilien.
„Somit entstammt unser Produkt dem Mercosur und repräsentiert die gesamte Ökoregion der Yerba Pflanze“.
Das Endziel dieses Projektes mit den Aché Guayakí von Kue Tuvy in Paraguay umfasst 50 Familien in einem Waldgebiet von 5.000 Hektar, wovon derzeit 16 Hektar bearbeitet werden.

Dieses Projekt demonstriert erfolgreich, was ein einzelner Mensch in Bewegung setzen kann. Die Aussage: “Was kann ein einzelner Mensch schon tun und wo soll man bei all dem Elend überhaupt beginnen?“ ist allzu einfach und bequem. Manchmal kann eine Einzelperson bzw. eine kleine Gruppe Gleichgesinnter sogar mehr bewirken als eine große Organisation, deren Mitglieder alles zerreden und die kostbare Zeit mit Diskussionen vergeuden, anstatt in die Hände zu spucken und eine Sache anzugehen.

Das Projekt beweist ganz klar dass, wenn soziales Engagement, kaufmännisches Können und Durchsetzungsvermögen eine Fusion eingehen, der erwünschte Erfolg nicht ausbleiben kann.
Wieder einmal mehr ist durch den Einsatz junger Studenten ein beispielhaftes Projekt entstanden, was sich andere zum Vorbild nehmen können. Politiker sollten sich dazu durchringen derartige Aktivitäten wohlwollend zu unterstützen, anstatt engagierten Menschen bürokratische Steine in den Weg zu legen.

Warum und wie die Journalisten und Autoren unterstützen?
Autor/in: Christine Bram Bilder: abc.com.py Abo: RSS-Feed | Mehr...


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