Todesursache Nr. 1 in Paraguay
Wie die Statistiken der Polizei jetzt enthüllten, entwickelten sich Verkehrsunfälle während der letzten zwei Jahre zur Todesursache Nr. 1 in Paraguay. Als Hauptursachen hierfür gelten übermäßiger Alkoholgenuss, Fahrlässigkeit und das generelle explosionsartig ansteigende Verkehrsaufkommen, insbesondere der Zuwachs an Motorrädern.
Im Jahr 2007 verloren in Paraguay 845 Menschen aufgrund eines Verkehrsunfalls das Leben. Im vergangen Jahr stieg die Zahl bereits auf 1.073. Allein im gerade erst begonnenen Jahr 2009 gab es bisher 70 Verkehrstote, gemäß polizeilicher Angaben.
Trotz ständiger Fahrzeugkontrollen, nehmen die schweren Verkehrsunfälle nicht ab. Am vergangenen Wochenende wurden 16 Verkehrstote landesweit gemeldet, es starben demnach doppelt so viele Menschen durch Verkehrsunfälle, als durch Tötungsdelikte.
Gemäß verschiedener Studien, die aufgrund der alarmierenden Situation durchgeführt wurden, trägt die Hauptschuld an den erhöhten Verkehrstoten der alkoholisierte Zustand der Fahrer, gefolgt von zu hoher Geschwindigkeit und undiszipliniertem Fahrverhalten. Faktoren, die einem Verkehrsaufkommen gegenüber stehen, das vor allem in den Ballungsgebieten in den letzten drei Jahren ungeahnte Ausmasse angenommen hat.
Laut der Weltorganisation für Gesundheit, sind folgende Maßnahmen zur Bekämpfung schwerer Verkehrsunfälle unerlässlich:
Ständige Alkoholkontrollen bei den Fahrzeuglenkern, gesetzlich verankerte minimale erlaubte Alkoholwerte im Blut, Führerscheinentzug bei Trunkenheit am Steuer mit der Auflage, einen Fahrkurs zu belegen, um in den erneuten Genuss einer Fahrerlaubnis zu kommen. Der Schlüssel zum Erfolg sei Beharrlichkeit. Die Polizeieinsätze müssen sichtbar und regelmäßig sein und das volle Gewicht der Gesetzgebung solle diejenigen treffen, die dieser Gesetzgebung zuwider handeln.
Paraguaykenner wissen, dass an eine Durchführung dieser Gegenmaßnahmen nicht zu denken ist. Während der Sommer-Saison wurden in San Bernardino, der sogenannten „Sommerhauptstadt“ Paraguays, Alko-Tests durchgeführt. Dies hatte zur Folge, dass die Geschäftsleute in dem beliebten Ferienort heute vor dem finanziellen Ruin stehen. Die üblicherweise zu erwartenden Einnahmen blieben aus. Der Besucherstrom hielt sich in bescheidenen Grenzen, die Leute blieben in der Hauptstadt, feierten dort ihre Sommerfeste und ließen sich mit dem Taxi nach Hause fahren. Die Geschäftsbetreiber von San Bernardino bestehen nun darauf, dass diese Kontrollen in der kommenden Ostersaison nicht mehr statt finden.
In den meisten Fällen ist es ohnehin so, dass der Fahrer mittels eines schnellen Griffs in seine Geldbörse um eine Anzeige herum kommt, sollte er wirklich kontrolliert werden. Bisheriges Ergebnis der Akoholkontrollen sind nicht weniger Verkehrsunfälle, sondern höheren Schmiergelder, die sich die Polizeibeamten einstecken.
Erhöhter Alkoholkonsum
Der Alkoholkonsum in den südamerikanischen Ländern ist generell sehr hoch, besonders in den Altersklassen von 15 – 30 Jahren. Die Ursachenforschung brachte an den Tag, dass in vielen Fällen die eigene Familie zum ersten Alkoholgenuss animiert.
In Uruguay beträgt der Alkoholkonsum innerhalb der Bevölkerung 78,8 %, in Chile 78,6 %, in Venezuela 65,5 % in Brasilien 65,2 % und in Paraguay 66,9 % was wiederum bedeutet, dass Paraguay mit Ländern gleichzieht, die eine ungleich höhere Einwohnerzahl aufweisen.
Kein T.Ü.V.
Was bei der Analyse der Situation nicht im geringsten Beachtung fand ist die Tatsache, dass sich auf den Straßen Paraguays Fahrzeuge tummeln, die man eigentlich also solche gar nicht mehr bezeichnen kann. Egal ob PKW, LKW, Motorrad oder öffentliche Verkehrsmittel. Von abgefahrenen Reifen über fehlende Bremsbeläge bis hin zu blinden Scheinwerfern kann man täglich die wildesten Ausführungen von nur noch halbwegs fahrtauglichen Vehickeln bewundern, die natürlich in einer heiklen Situation nicht rechtzeitig zum Stillstand gebracht werden können. Allein die Fahrt in einem der berühmten gelben Taxis der Hauptstadt kann zu einem lebensbedrohlichen Abenteuer werden. Die Passagiere der Stadtbusse riskieren täglich ihr Leben auf dem Weg zur Arbeit und zurück, sobald sie eines dieser monströsen Ungetüme besteigen, die meist nur noch von der Lackierung zusammen gehalten werden. LKWs werden derart überbeladen, dass bei einer Vollbremsung die verrutschende Ladung alles erschlägt, was sich in unmittelbarer Nähe aufhält.Â
Alkohol am Steuer ist ein Problem, jedoch machen es sich die Verantwortlichen zu leicht, wenn sie alle schweren Unfälle dem übermäßigen Alkoholgenuss zuschreiben. Würde man in Paraguay einen T.Ü.V. einrichten, wäre das Problem mit einem Schlag so gut wie gelöst, da das Verkehrsaufkommen automatisch auf ein Drittel zusammen schrumpfen müsste.Â
Jugendliche, die weder über die moralische Reife, noch über das entsprechende Können verfügen, rasen mit neu erworbenen Motorrädern und ohne Schutzhelm in den Tod, da es noch nie leichter war, ein Motorrad auf Kredit zu erstehen. Eine Fahrschule müssen sie dafür nicht durchlaufen. Unverantwortliche Geschäftemacher dezimieren auf diese Art den Nachwuchs Paraguays. Ärzte laufen Sturm gegen diesen Auswuchs an Verantwortungslosigkeit, jedoch ohne Erfolg.Â
Katastrophale Zustände in staatlichen Krankenhäusern
Viele Unfallopfer sterben nicht am Unfallort. Sie sterben auch nicht während des Transportes in das nächste Unfallkrankenhaus. Sie sterben in den staatlichen Krankenhäusern. Das hat vielerlei Gründe. In erster Linie liegt es daran, dass die Notfallstationen hoffnungslos überfordert sind. Ärzte operieren rund um die Uhr, die vorhandenen O.P.s sind ständig besetzt. Wer kein Geld für eine Privatklinik hat und nicht unter den ersten Opfern des Tages zählt, bleibt auf dem Flur bis er an der Reihe ist. Viele überleben diese Wartezeit nicht. Hat das Unfallopfer niemanden, der ihm die erforderlichen Medikamente usw. aus der nächsten Apotheke besorgt, wird er immer wieder nach hinten geschoben, die Zahlenden bzw. nachweislich Versicherten haben Vorrang. Ärzte und Krankenschwestern der staatlichen Einrichtungen sind unterbezahlt, der herrschende Ton erinnert an eine Kaserne. In einem staatlichen Krankenhaus ein freundliches Wort zu hören ist so unwahrscheinlich wie eine Marienerscheinung in einem der Shopping-Paläste der Hauptstadt.
Kein Versicherungsschutz
Nur die Reichen versichern ihre Luxus-Limousinen. Das ist ein Paradoxum, denn gerade diese Fahrzeuge wären in der Lage im richtigen Moment zu bremsen und das Schlimmste zu verhindern. Versicherungsschutz ist in Paraguay keine Pflicht.
Wird jemand von einem Fahrzeug schwer verletzt, muss er die Kosten der Genesung meist selbst tragen, da er nicht auf eine richterliche Entscheidung warten kann, auch wenn er keinerlei Schuld am Geschehen trägt. Der Schuldige wandert dann zwar zunächst ins Gefängnis, was dem Geschädigten jedoch auch nicht weiter hilft. Familienangehörige machen alles zu Geld und verschulden sich obendrein, um die Arztrechnungen begleichen zu können. Verfügt der Schuldige über Geldmittel, handelt er mit den Familienangehörigen einen Preis aus, um die Sache aus der Welt zu schaffen. Auch oder gerade dann, wenn es sich um einen Todesfall handelt. Dieses System hat zur Folge, daß sich einige Zeitgenossen auf “Unfallverletzungen” spezialisiert haben. Sie stolpern “ungewollt” vor ein Fahrzeug, vorzugsweise einen teuren Wagen, und lassen sich anfahren.  Besonders brutale Menschen schubsen sogar ihre Kinder vor ein fahrendes Auto. Der geschockte Fahrer, oftmals eine feine Dame der oberen Gesellschaft, zückt sofort das Scheckbuch, um weiteren Unannehmlichkeiten vorzubeugen.
Keine genauen Unfallstatistiken
Genaue Unfallstatistiken sind in Paraguay nicht möglich, da viele Verkehrsunfälle gar nicht registriert werden. Blechschäden mit Leichtverletzten gehen komplett unter. Unfallflucht ist kein Delikt. Wird ein schuldiger Unfallfahrer von den Ermittlern aufgespürt, muß er für seine Schuld am Unfall gerade stehen. Die Strafe wird durch eine Flucht nicht verschärft. Wird ein Mensch gar von einem der unzähligen nicht registrierten und Illegalen Fahrzeugen verletzt, kann er seine Hoffnung auf eine Entschädigung sofort begraben.Â
Chaos in der Hauptstadt
Viele europäische Einwanderer trauen sich mittlerweise gar nicht mehr mit ihrem eigenen Fahrzeug in die Hauptstadt Paraguays. Das Verkehrschaos und die fehlenden Hinweisschilder machen ihnen Angst. Wer sich in dieser Stadt nicht bestens auskennt ist verloren. Entweder sie nutzen öffentliche Verkehrsmittel oder sie fahren bis an den Stadtrand, lassen ihr Fahrzeug stehen und erledigen ihre Besorgungen per Taxi. Besonders beliebter Ausgangspunkt ist das leicht erreichbare Einkaufszentrum “Shopping del Sol”, dessen ausgedehnte Parkplätze dazu einladen, das eigene Fahrzeug dort zu parken und den nahe liegenden Taxistand aufzusuchen.











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